Dezember 2013 :: Flüchtlinge

Zur Einstimmung auf das bevorstehende Weihnachtsfest soll uns in diesem Jahr dieses Bild der Heiligen Familie aus Peru dienen. Es zeigt eine der zahlreichen Krippendarstellungen, die in einer Ausstellung im Jahre 2005 in Eisenberg zu sehen war.

 

Maria und Josef sind hier nicht wie gewohnt in einem Stall, noch das Jesuskind in einer Futterkrippe zu finden. In einem kleinen Boot sitzen sie, das gefüllt ist mit dem kargen Hausrat einer armen Familie.
 Maria, wie eine peruanische Bäuerin gekleidet, hält ihr Kind schützend auf dem Schoß. Josef legt den Arm um Maria und ist der Frau und dem Kinde ganz zugewandt. Beide schauen ernst und sorgenvoll.

 

Im Vordergrund stehen zwei Schafe und ein Lamm im Boot. Das Schilf im Hintergrund lässt mich sofort an die Geburt von Mose denken, der einst von seiner Mutter wegen der Verfolgung durch den Pharao in einem Korb in das Schilf am Ufer des Nils ausgesetzt wurde. Genau so ist auch das Leben des Jesuskindes von Anfang an bedroht durch die grausame Verfolgung durch den König Herodes.

 

Eine Familie auf der Flucht.
 Wie viele Menschen der Kriegsgeneration haben dieses Schicksal leidvoll erlebt. Wie viele Menschen sind heute auf der Flucht vor Krieg, vor bitterer Armut und hoffnungslosen Situationen. War es damals für Maria und Josef das verheißungsvolle Schutz bietende Land Ägypten, so ist es für tausende Flüchtlinge heute das wohlständige Europa. Die Angst und die Sorge in den Gesichtern sind berechtigt.
 Nicht nur wegen der Verfolgung und der Not, der sie entfliehen wollen. Auch um der ungewissen Zukunft willen, dessen, was sie erwarten wird im fremden Lande und der Gefahr für Leib und Leben. Denn keinem Flüchtling stehen die Herzen und Türen in der Welt offen.

 

Das Jesuskind, Gottes Sohn, 
ist mitten im Boot, mitten in der Sorge und der Not des Lebens. Angewiesen auf die Hilfe und den Mut der nächsten Menschen, ihrem Glauben, Hoffen und Beten anvertraut. Wir wissen es aus dem Evangelium. Maria hatte die Worte des Boten Gottes gehört und bewegte sie in ihrem Herzen. Und Josef hatte die Weisung des Engels empfangen, mit der Familie nach Ägypten zu fliehen. Aber eine Garantie hatten sie nicht.

 

Im Vertrauen aufbrechen und gehen, das mussten sie selber tun. Vielleicht strahlt genau deshalb dieses Bild trotz aller Sorge und Not auch eine gewisse Ruhe aus. Weil diese Menschen im Glauben und Vertrauen unterwegs sind. Fast wirkt dieses kleine Boot wie eine Arche. Wie dieses Schiff des Noah, das mitten in der Chaosflut verschont bleibt und dem Leben entgegen geht.

 

Das Weihnachtsfest naht.
 Wir werden sie wieder hören,
 die Botschaft von der Christgeburt. Kinder und Erwachsene werden
 die alte Geschichte im Krippenspiel darstellen. Wir werden einstimmen in den Gesang: „Christ der Retter ist da.“ Aber es werden auch weiterhin Menschen in bitterer Not und Armut sein. Es wird auch an diesem Weihnachtsfest Regionen geben, 
in denen Krieg und Terror wüten, 
in denen Menschen verfolgt und 
in ihren ureigensten Rechten beschnitten werden.

 

Es ist das Lamm, ganz unscheinbar und doch im Vordergrund des Bildes zu sehen. Es weist auf den Christus hin, der einst am Kreuz sein Leben lassen wird. Der das bittere Geschick mit aller Kreatur teilt aus Liebe zu ihr. So fährt das Boot bis heute. Hoffend, dass jemand den Flüchtenden und Verfolgten in unserer Welt Asyl gewährt, ihnen doch die Herzen und die Türen öffnet, wie es einst die Tochter des Pharao getan hat. Wissend, Jesus ist mit im Boot bei den Asylsuchenden dieser Welt. Er teilt ihre Sehnsucht und stirbt ihre Tode mit. Er ist das Licht, das in die Finsternisse unserer Welt gekommen ist und sie erhellt. Und glaubend, dass dieses Boot zur Arche wird, zum Ort des Überlebens und der Hoffnung.

 

So ist es über unserer ganzen Welt ausgerufen: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren.“

 

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit!

Ihr Ulrich Katzmann

 

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