Juni 2014 :: Raus ins Freie

Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte. (1. Mose 12 und 13)

 

Wenn wir in diesen Tagen aufbrechen zu einer Urlaubsfahrt, dann ist dies meist ein großes Erlebnis. Etwas anderes sehen, aus dem Alten mal rauskommen, abschalten.

 

Nach Abenteuerreise wird Abraham nach obiger Ansage Gottes wohl nicht zumute gewesen sein. Vaterland, Verwandtschaft und Zuhause verlassen. Und das nicht nur für ein paar Wochen, sondern für immer. In seiner Zeit ein absolutes Risiko. Die angestammten Weideflächen, die Sicherheit der Sippe und die gute Kenntnis der Gegend aufzugeben und einfach loszuziehen, ohne zu wissen, wohin: Ein Wahnsinn. Wenn da nicht einer sagen würde: „Ich will ich segnen.“

 

Es scheint ein Wesenszug Gottes zu sein, die Sicherheiten und Gewohnheiten, die wir uns bauen, immer wieder in Frage zu stellen. Uns herauszurufen, dass wir ihm wieder ganz neu und ganz radikal unser Leben anvertrauen.

 

Auch Petrus hat das erlebt. Als erfahrener Fischer hatte er eine ganze Nacht lang nichts gefangen. Und dann kommt Jesus mitten am Tag und sagt: „Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!“ Eigentlich ein Irrsinn. Doch Petrus sagt: „Auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.“ Und sein Vertrauen wird mit dem Fang seines Lebens belohnt.

 

Auch Abraham zögert nicht. Er tut den großen Schritt und lässt sein früheres Leben hinter sich. Und er darf erleben, wie Gott ihn gut führt, ihn bewahrt, segnet und ihm – dem alten Mann – doch noch Nachkommen schenkt.

 

Ich sehe in der Geschichte von Abraham und auch von Petrus eine große Herausforderung – für unser persönliches Leben, aber auch für uns als Kirche. Sind wir in dem, was wir tun, eigentlich bereit, uns von Gott derart herausfordern zu lassen?

 

Haben wir unser Ohr an seinem Mund? Wollen wissen, was er will? Und sind wir dann auch bereit, uns aufzumachen, die alten Sicherheiten und Gewohnheiten hinter uns zu lassen? Oder verharren wir in dem Alten, tun alles so, wie es immer war und verpassen so den Segen, den Gott durch uns eigentlich in die Welt bringen will?

 

Wenn ich mir Abraham und auch Petrus so vor Augen stelle, dann kann ich nur immer wieder sagen: Das Leben als Christ ist extrem spannend! Was würde wohl passieren, wenn wir uns Gott wieder ganz zur Verfügung stellen? Was würde passieren, wenn wir wieder ganz konsequent fragen würden, was Gott durch uns – durch mich und dich – in dieser Welt tun will? Welche Segensquellen sich wohl auftun würden? Wo Menschen wohl auf Gott und das Christsein aufmerksam würden, die bisher den Glauben für eine verstaubte, antiquierte Sache gehalten haben?

 

Im Leben mit Gott gibt es zwei Extreme, die wir vermeiden sollten. Das eine ist der Aktionismus. Einfach tun, um zu tun. Aktiv sein, weil doch was passieren muss. Meinen, doch etwas für Gott tun zu müssen und dabei an seinem Weg vorbeigehen. Das andere ist der Traditionalismus. Einfach alles lassen, wie es immer war. Sich einrichten in seinem Häuschen und dabei nicht merken, dass Gott ganz andere Pläne hätte. Den lebendigen Gott in einem fertigen Korsett festhalten.

 

Die Frage ist: Wann sind wir auf dem Weg des Aktionismus, wann beim Traditionalismus? Pauschal wird man das nicht beantworten können. Es muss sich im Hören auf Gott entscheiden. Der Anfang unseres Nachdenkens, wie es in unserem persönlichen Leben und auch mit unseren Gemeinden weitergehen wird, kann also nur in einem liegen: Wieder neu und ganz konsequent auf Gott zu hören. Seine Stimme zu suchen im Gebet, im Gottesdienst, in der Bibel. Nicht locker zu lassen, bis Gott klar macht, wo wir unsere Kraft investieren sollen; was bleiben soll und was dringend neu werden muss.

 

„Auf dein Wort hin“ – so werden wir den richtigen Weg finden.

 

Gute neue Wege – im Urlaub, aber besonders im Glauben wünscht Ihnen

 

Ihr Johannes Alex

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0
Kirchenblatt-2017JunJulAug.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1.4 MB

Weitersagen: