Juni 2015 :: „Wisst ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid?

Gefühlt scheint unsere Welt aus den Fugen zu geraten. Wir leben in einer weltweiten grenzenlosen Bedrohung durch einen gnadenlosen Terror. Diese Gewalt macht nicht Halt vor Kindern, vor wehr-und schutzlosen Menschen. Sie fragt nicht nach Schuld und Unschuld. Sie schlägt blind und grausam zu. Menschen, die diese Gewalt ausüben achten das Leben für nichts, auch nicht das eigene. Sie sind besessen von einer Idee, wie die Welt nach ihrem Bilde aussehen sollte und haben einen brennenden Hass entwickelt auf alles und jeden, der nicht dieser Idee entspricht. Dahinter stehen nicht nur fundamentalistische zu, das offenbar in den Augen der von Bürgerkriegen überzogenen und von Diktatoren beherrschten Ländern wie das Paradies der Freiheit und des Glückes scheint.
Unter uns macht sich die Angst breit. Dass es zu viele sind, die da kommen. Dass sie uns etwas wegnehmen könnten. Dass sie uns überfremden. Dass eine fremde Religion in unserem Lande die Oberhand gewinnen würde, die uns unter ihr Regime zwingen könnte. Dass der Terror und die Gewalt auch unsere Städte und Dörfer erreichen könnte.
In dieser angstgeschwänger- ten Situation ist es nicht schwer die Stimmung zu schüren gegen diese Menschen in Not. Es ist leicht die Ängste zu verstärken und zu instrumentalisieren für Parolen wie „Ausländer raus aus Deutschland“.
Mir geht eine Geschichte nach, die im Lukasevangelium erzählt wird. Jesus ist mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem und zieht durch Samarien. Durch seine Jünger lässt er in einem Ort um Herberge fragen und diese werden offenbar barsch abgewiesen: „Mit einem der nach Jerusalem zieht, diesem uns verhassten religiösen Ort, mit so einem wollen wir nichts zu tun haben.“ „Jesus raus“ – mit dieser Botschaft kehren die Jünger zu ihrem Rabbi zurück. Und sie sind so erbost, dass sie sagen, er solle Feuer vom Himmel fallen lassen und solche Leute vernichten.
„Wisst ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid? Ich bin nicht gekommen, das Leben der Menschen zu vernichten, sondern zu erhalten.“ So antwortet Jesus. In dieser Zeit der Polarisierung zwischen rechts und links, zwischen pro und contra scheint mir dieser Hinweis Jesu für uns Christen wichtig. Der Geist Gottes, der uns in unseren Ängsten begegnet und mit der nötigen Kraft erfüllen will. Dieser Geist, der sich von Herzen über alle Menschen erbarmt, die in Not geraten sind. Der uns die erbarmende Liebe Gottes bezeugt, dass wir eigentlich gar nicht anders können, als uns den Menschen zu öffnen, die in ihrer Not an unsere Türen klopfen. Dieser Geist Jesu, der ein Geist der Nüchternheit und der Besonnenheit ist. Der niemals scharfmacherisch daherkommt, sondern den Frieden sucht und den ehrlichen Dialog. Dieser Geist leite uns in unserem Denken und Tun in dieser aufgeregten und notvollen Zeit. 
Ihr Ulrich Katzmann

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