März 2013 :: Liebe wächst wie Weizen

Ostern, was feiern wir da? Mir persönlich ist ein Osterlied nahe, das aus dem englischsprachigen Raum stammt. Es drückt viel von dem aus, was Ostern für mich bedeutet.

Ostern heißt für mich: Die Liebe ist so wenig sichtbar in der Welt und dennoch stärker als der Tod:

Korn das in die Erde,
in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker
in den Morgen dringt.
Liebe lebt auf,
die längst erstorben schien.
Liebe wächst wie Weizen
und ihr Halm ist grün.

EG 98 Vers 1 

Was denken Sie über die Welt, wenn Sie die Zeitung aufschlagen? Ich sehe: Das Böse kommt mit viel Getöse daher, macht viel Wind um sich und ist jedes Mal eine Schlagzeile wert. Und ist das alles, was über die Welt zu sagen ist? Meine Erfahrung ist auch noch eine andere: Das Leben ist unglaublich widerstandsfähig, es setzt sich immer wieder durch. Sind Sie schon einmal ganz oben im Hochgebirge gewesen? Da wächst nichts mehr. Nichts? Wenn ich ganz genau hinsehe: Einzelne Pflanzen blühen selbst inmitten von Stein und Geröll. Ganz ist das Leben nie auszurotten. Ich glaube, da sind Kräfte am Werk, die beinahe alles überwinden können. Das gibt mir den Mut zu leben und mich nicht aufzugeben.

Ostern heißt für mich: Selbst wenn sie so weit gehen, dass sie ihn umbringen, haben sie damit noch nicht gesiegt:

Über Gottes Liebe
brach die Welt den Stab.
Wälzte ihren Felsen
vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot,
wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen
und ihr Halm ist grün.

EG 98 Vers 2

Wer so schwach ist, dass er töten muss, stellt sich damit sein eigenes Armutszeugnis aus. So geschehen damals vor 2000 Jahren in Jeru­salem: Die Jesus vor Gericht brach­ten, hatten sich zu entscheiden – zwischen der Loyalität zum römi­schen Kaiser und seinen Legionen und einem kleinen Propheten aus der Provinz, der Unruhe stiftete, weil er die Revolution der Liebe brachte. Und sie entschieden sich für die sichtbare Macht, ließen den einen sterben, damit alles beim Alten bleiben kann. Wie oft hat man seitdem versucht, die Wahrheit mundtot zu machen! Selbst die Kirche hat sich daran beteiligt. Und ist die Erde deshalb nicht rund? Ist deshalb nicht wahr, was wahr ist?

Ostern heißt für mich, dass etwas wächst, weil es wachsen will:

Im Gestein verloren
Gottes Samenkorn,
unser Herz gefangen
in Gestrüpp und Dorn –
hin ging die Nacht,
der dritte Tag erschien.
Liebe wächst wie Weizen
und ihr Halm ist grün.

EG 98 Vers 3

Einmal bisher hatte ich Gelegenheit, im Atlantik zu baden. Kein Vergleich zur Ostsee. Die Gewalt des Wassers – leicht zu unterschätzen. Ich stand nur knietief, als eine Welle kam und mich fortriss. Für Sekunden wusste ich nicht, wo oben und unten ist. Keine Chance, durch eigene Bewegung etwas zu bewirken. Dann verzog sich die Welle und ich hatte wieder Grund, stand wieder auf - mit klopfendem Herzen. Mir ist das ein Gleichnis, wie es im Leben manchmal geht. Wir werden in Angst und Finsternis gestürzt. Jetzt ist alles aus. Ich kann nichts mehr tun. Ich bin am Ende. Und dann wächst mir etwas zu – ganz ohne mein Zutun. Paulus schreibt in seinem Brief an die Korinther:
Was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. (1. Kor 15,36) Durch die dunklen Täler müssen wir manchmal erst hindurch, um neu geboren zu werden.

Ich wünsche Ihnen frohe und gesegnete Ostern. Und wenn Sie bei einem Spaziergang den Weizen grünen sehen – oder Knospen springen – vielleicht nehmen Sie es als ein Zeichen?

Ihre Kerstin Gommel

 

 

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