März 2015 :: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen.“ 


„Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen.“ Matthäus 27,54

Wahrlich? Wirklich und Wahrhaftig? Dieser?

„Gottes Sohn“ – Das heißt doch: Einer der zu Gott gehört, der mit Gott „verwandt“ ist. Vom Wesen des Vaters muss er also etwas haben. Und in dem Falle ist er sogar „ganz der Vater“.

Weil man mit der Konfirmation Pate werden kann, hatten wir die Konfirmanden gebeten, Fragen zu beantworten, die ein Patenkind stellen könnte, zum Beispiel:

Was ist besonders an Jesus?

„Er hat anderen geholfen“, hat jemand gesagt. „Er hat geheilt.“

„Er ist Gottes Sohn“, hätte auch jemand sagen können. Und vielleicht wäre es interessant, darüber nachzudenken, woran man das merkt. Welche Geschichten aus der Bibel würde ich erzählen, um zu verdeutlichen:

Jesus ist Gottes Sohn. Er zeigt mir, wer Gott ist. In ihm sehe ich das Wesen Gottes.

Beginnen würde ich genau so wie die Konfirmanden. Und dann  würde ich von der Taufe Jesu erzählen, als der Himmel offen war und Gottes Stimme sagte „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Und wie dann immer wieder der Himmel offen war, wenn Jesus Geschichten erzählte von Gottes Herrschaft Wenn Menschen beim Hören und Feiern mit Jesus etwas spürten von Gottes Liebe und Nähe. Wie Kranke gesund geworden sind und Niedergedrückte sich aufgerichtet haben. Wie Mutlose Selbstvertrauen gewonnen haben und Ausgestoßene wieder dazu gehörten. Ich würde erzählen, wie die Jünger auf dem Berg den offenen Himmel sahen, die lichte Wolke, die Jesus einhüllte, wie sie die Stimme hörten: „Das ist mein lieber Sohn, auf den sollt ihr hören.“

Auf alle diese Geschichten könnte ich verweisen um deutlich zu machen:

 „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen.“

Aber nun ist es eine ganz andere Geschichte, zu der dieser Satz gehört. Da hängt Jesus am Kreuz. Nach menschlichem Ermessen ein Verlierer. Gefangen genommen, verraten, verlassen von allen seinen Freunden, verurteilt, gefoltert und gequält, gekreuzigt. Verspottet: „Ist er Gottes Sohn, so steige er vom Kreuz.“ „Er hat Gott vertraut, der möge ihn retten. Denn er hat gesagt: Ich bin Gottes Sohn.“ Er nimmt die alte Klage der Psalmen auf: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.“ Und stirbt.

„Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen.“ ?

Das soll das Wesen Gottes sein?

Ohnmacht. Tod. Leid. Ist Gott ein Verlierer?

Ich höre Eltern sagen: Ich gehe mit meinen Kindern in keine Kirche. Das Kreuz und der Gekreuzigte. Ich möchte nicht, dass sie das sehen. Das ist doch eine Zumutung. Das sollte nicht im Zentrum des Lebens stehen.

Was würden Sie ihnen sagen? Warum steht bei uns das Kreuz auf jedem Altar. Warum sehen wir gerade auf den Gekreuzigten?

Ich würde sagen:

Weil Jesus wirklich ein Mensch war, der an Gott festgehalten hat, wahrhaft Gottes Sohn.

„Liebet eure Feinde!“ hatte er gesagt. Und als die Feinde kamen, als die Jünger ihn verteidigen wollten, als Petrus das Schwert zog, hat er an seiner Wahrheit festgehalten. Sich lieber ausgeliefert als Gewalt angewendet.

Er hatte seinen Freunden weiter- gegeben, dass festes Vertrauen auf Gott die Angst überwindet: „Warum habt ihr Angst, habt ihr keinen Glauben?“ Und als er selbst voller Angst war, floh er nicht, betete und klagte seinem Vater. Und vertraute auf ihn.

„Dein Wille geschehe“, hatte er die Jünger zu beten gelehrt. Und ließ Gottes Willen geschehen. Vor dem Hohen Rat und vor Pilatus stand er ein für die Wahrheit, wich nicht zurück, widerrief nicht um des lieben Friedens willen oder um sein Leben zu retten. An ihm kann man sehen: Gottvertrauen vermag die Angst zu überwinden.

Und damit beginnt eine neue Zeit. Wir haben jemanden, der unbedingt vertrauenswürdig, glaubwürdig ist.

Sein Tod besiegelt, was er gelebt und gelehrt hat. Alle menschliche Macht und Angst, alles, was Menschen sich ausdenken können, um Menschen zu erniedrigen, konnte seine Liebe zu Gott und den Menschen nicht brechen. Er steht als Verlierer auf der Seite der Verlierer. Und genau so gewinnt er alles. Der Himmel ist offen, Gott ist ganz nah.

Der Führer der Hundertschaft und seine Soldaten, die unter dem Kreuz stehen, merken Gottes Nähe, die  menschliche Maßstäbe ins Wanken

bringt, die neues Leben schafft. Der Vorhang im Tempel zerreißt, die Erde bebt, die Gräber öffnen sich. Da ist der Anfang einer neuen Welt, wo nichts mehr Gott und Menschen trennen kann.

„Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen.“

Ihnen Gottes Segen für die Passions- und die Osterzeit

Ihre

 

 

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