September 2014 :: Gib ohne zu geizen

Ehre Gott mit deinen Opfern gern und reichlich,
und gib deine Erstlingsgaben, ohne zu geizen.


Dieser Satz steht im Buch Jesus Sirach (Kapitel 35, Vers 10).
Da denken wir vielleicht ganz schnell an das Fest, über dem dieser Monatsspruch für Oktober steht – Ernte-DANK-Fest. Wir geben etwas von dem ab, was wir wieder reichlich haben, ein Dankopfer für den Geber der Gaben, für Gott. Zugleich ist es auch Unterstützung für die, die Unterstützung brauchen – die Erntegaben gehen wieder an die Holzmühle in Kämmeritz. Und weil wir reichlich haben, brauchen wir nicht zu geizen, denn – so sagt es uns Paulus:


Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb! (2. Korinther 9,7)


Es ist gut, wenn wir das Teilen lernen und es nicht vergessen, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass der, der von Herzen gerne gibt auch immer wieder bekommt, was er braucht. Die Frau etwa, die den Nachbarn stets freundlich und hilfs- bereit begegnet ist, bekommt Unterstützung als sie selbst hilfsbedürftig geworden ist. Und noch ein Beispiel: In meinen vorigen Gemeinden haben wir viele Kirchen renoviert. Mir war dabei immer wichtig, dass wir nicht geizen, sondern die bedürftigen Nächsten im Blick behalten und gerne geben, um Not zu lindern – zum Beispiel durch die landeskirchliche Kollekte, die mancher Kirchrechner gerne für die eigene Kirchenrenovierung behalten hätte! Denn – einen fröhlichen Geber hat Gott lieb!


Ehre Gott mit deinen Opfern gern und reichlich – dieser Satz hat im Jahr 2014 aber noch einen anderen, einen etwas bitteren Beigeschmack: Ende Juli 1914, also vor genau 100 Jahren, begann der Erste Weltkrieg! Daran denken wir auch in diesen Tagen.


„Gott mit uns“ stand damals auf den deutschen Koppelschlössern – und so oder ähnlich in Französisch oder Englisch auch auf der anderen Seite. Wir gedenken – wie ja in jedem Jahr im November – der Opfer dieses 1. genauso wie des 2. Weltkrieges, dazu der Opfer von Krieg, Vertreibung, Verfolgung und Gewaltherrschaft. Und wir hören „Opfer“ in diesem Zusammenhang noch einmal ganz anders.


Doch mit diesen Opfern machen wir Gott keine Ehre, sondern vielmehr uns Menschen Schande. Umso wichtiger sind Gedenken und Mahnung! Zu oft wurde und wird leider immer noch Religion zu Rechtfertigung von Kriegen und Macht- kämpfen missbraucht!


„Gott mit uns – für Kaiser (oder „Führer“), Reich und Vaterland“ – oder, heutigen Menschen wohl viel näher „Für Mich, meine Ruhe und meinen Wohlstand“. Das hat aber der Oktober-Monatsspruch nicht im Blick. Denn hier geht es zu allererst um Gottes Ehre und nicht darum, Gott als Mittel zum Zweck zu missbrauchen, um unsere Macht, unseren Wohlstand und unsere Ehre zu sichern.


Den Ersten Weltkrieg haben von denen, die heute leben, nur noch sehr Wenige überhaupt und wenn, dann auch nur als Kleinkind oder Baby erlebt. Schon deshalb ergibt die Erinnerung nur dann Sinn, wenn es uns – wie auch der Volkstrauertag am 16. November – zur Lehre und zur Mahnung dient, wenn wir ein- mal innehalten und schauen: Wo geht es auch bei mir mehr um das Eigene als um den Nächsten, der meine Hilfe braucht!? Denn Friedensdienst beginnt damit, dass ich den Blick meinem Nächsten zuwende und darin Gott die Ehre gebe, dass ich gerne und reichlich opfere: ein wenig Zeit etwa zum Zuhören, zum Einkaufen für die kranke Nachbarin, ein freundliches Wort oder eine helfende Hand.


Ehre Gott mit deinen Opfern gern und reichlich, und gib deine Erstlingsgaben, ohne zu geizen. – Diese Haltung des offenen Herzens und der helfenden Hände können wir aber nicht nur durch die Mahnung der Kriege lernen, sondern auch, indem wir miteinander feiern: jeden Sonntag im Gottesdienst und – in besonderer Weise – am Erntedankfest!


Und Sie können sicher sein: Eine solche Haltung dient nicht nur der Ehre Gottes, sondern wird auch uns zum Segen!


Ehre Gott mit deinen Opfern gern und reichlich,
und gib deine Erstlingsgaben, ohne zu geizen. – Denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb!


Ihr Arndt Kuschmierz, Superintendent


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