Andachten


 

 

Was sucht ihr den Lebenden

bei den Toten?

Er ist nicht hier, er ist auferstanden.

Osterevangelium Lukas 24,5-6

 

Das Relief auf dem Titelbild befin­det sich außen an der Stadtkirche in Eisenberg. Wenn wir es betrachten, dann kann man sich nicht vorstellen, den, der da hängt, anders zu denken als „gestorben“, „gescheitert“ und „tot“! – Oder etwa nicht?

Jesus war sicherlich ein Großer der Welt- und Geistesgeschichte, er ist uns vielleicht sogar noch ein Vor­bild! Aber ist er am Ende nicht ge­scheitert, der Willkür der Mächtigen unterlegen?

Jesus hängt am Kreuz! – Doch wenn wir genau hinschauen, sehen wir, dass diese Darstellung besonders ist. Wie bei der Kreuzesdarstellung in der Kirche, hängt Jesus an einem Gabelkreuz. Die beiden Verbrecher aber sind an ein Balkenkreuz gebunden! Sie sind festgebunden und leiden offenbar viel mehr als Jesus. Dieser scheint dagegen fast zu jubeln!?

Das Gabelkreuz ist wie ein Baum. Es ist der Baum des Lebens – Christus siegt am Kreuz. Und gera­dezu liebevoll, tröstend, sorgend und segnend breitet er die Arme über die Beiden, die in ihrem Leid gefangen sind!

Ostern ist der Sieg über den Tod! Ostern ist der Sieg des Lebens! – Die Balken des Kreuzes zeigen nach oben wie das V-Zeichen. V steht für „Victoria“, das heißt „Sieg“.
So wird Jesu Kreuz zum Symbol für den Sieg des Lebens. Deshalb ist nicht erst im leeren Grab der Sieg erkennbar, sondern bereits am Kreuz!

„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten“, werden die gefragt, die für Jesus die Grabpflege überneh­men wollen. „Er ist nicht hier, er ist auferstanden!“ – Der Tod ist be­siegt! Das Leid, die Unsicherheit und die Angst haben nicht mehr das letzte Wort!

Und diesen Sieg hat Jesus nicht erst an Ostern errungen, sondern bereits am Kreuz. Daran erinnern uns die Kreuzesdarstellungen der Eisenber­ger Stadtkirche!

Ein frohes und gesegnetes
Osterfest wünscht
Ihnen Ihr

An solchen Bildern habe ich mei­ne Freude. Dieses hier ist mir im Ur-laub auf der portugiesischen Insel Madeira begegnet. Auf der landes-typischen Fliesenmalerei, genannt Azulejo, schaut uns das Kind an: freundlich segnend. Ne­ben ihm aber steht nicht seine Mutter – sondern Joseph! Das ist doch schon einmal schön: Joseph wird nicht ins hintere Dunkel des Stalles verbannt, son­dern steht im Mittelpunkt – gemein­sam mit dem Kind. Auf den zweiten Blick sehe ich: Sie stehen an der Hobelbank. So machen das Väter mit ihren Söhnen. Sie basteln, bauen, schrauben und erleben dabei Ge­meinschaft. Dann aber sehe ich: Die ganze Szene spielt auf Wol­ken! Die himmlische Zimmermanns­werkstatt sozusagen. Wie ge­sagt,
ich hab meine Freude an sol­chen Bildern. Natürlich ist das naiv.

Es drückt vielleicht nicht einmal meine eigene Art zu glauben aus. Aber der dieses Bild geschaffen hat, dem war es ernst damit – und das wiederum kann auch ich ernst neh­men. Hier wird Joseph geehrt – mit Himmel und Heiligenschein – dafür dass er dieses Kind bei sich aufge­nommen hat. Die Um­stände waren, weiß Gott, kompli­ziert genug. Er hätte sich auch aus dem Staub ma­chen können. Aber er hat auf den Engel gehört, der im Traum zu ihm geredet hat. Und:

Als nun Josef vom Schlaf erwach­te, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Matthäus 1,24

Und mit Maria nahm er auch das Kind bei sich auf. Nichts Welt­bewegendes. Keine fromme Hel­dentat. Er nimmt die beiden zu sich, beschützt sie, so gut er kann und bietet ihnen Heimat. Darin liegt Jo­sephs ganze Größe. Dafür gehört er in die Mitte. Mit Jesus möchte man hinzufügen: Und nun geh hin und tu desgleichen.

1653 hat Paul Gerhardt gedichtet:

Eins aber, hoff ich, wirst du mir, mein Heiland, nicht versagen:

dass ich dich möge für und für

in, bei und an mir tragen. – So lass mich doch dein Kripplein sein; komm, komm und lege bei mir ein dich und all deine Freuden. EG 37.9

Einen gesegneten Advent,
frohe Weihnachten
und ein gesundes Neues Jahr wünscht

 

Ihre

 

Kerstin Gommel

 

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Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.
2. Korinther

 

„Freiheit“ – das ist Sonne, Licht, Ferien, Urlaub, Sommer…

Diese Zeit liegt nun hinter uns und die Nebel kommen, wie auf dem Titelbild über Eisenberg. Der Herbst und der Winter stehen vor der Tür, für viele verbunden mit eher trüben Gedanken. Die Blätter fallen, die Tage werden kürzer, die Dunkelheit greift um sich – nicht nur in der Folge der Jahreszeiten, sondern auch in unserer Welt?

Der deutsche Reggae-Sänger Tilmann Otto, genannt „Gentleman“, sagte laut dpa vor kurzem: "Ich glaube nicht mehr daran, dass wir alle in Frieden leben werden. Die Hoffnung ist leider gestorben."

Frieden, Freiheit, Brüderlichkeit sind das Begriffe, die allmählich auszusterben drohen angesichts der weltweiten Bedrohung durch Terro­rismus, angesichts wachsender Bedenken gegen alles „Fremde“?

Laut einer Umfrage unter dem Titel „Die Angst der Deutschen“ haben 73% der bundesdeutschen Bürger Angst vor Terrorismus. Dicht dahin­ter folgen die Sorgen vor gewalt­bereiten Extremisten und vor den Folgen der Zuwanderungspolitik. Die OTZ hat am 13. Juli darüber berichtet.

Da stellt sich mir die Frage: Wie frei sind wir eigentlich noch in unserer Welt? Sind wir nicht gefangen in unseren Ängsten, geknebelt von einer immer undurchsichtiger wer­denden (Welt-)Politik? Da gibt es – nach dem Flüchtlingsansturm 2015 und dem Brexit 2016 – kein Europa mehr, das Grenzen abbaut, sondern eines, das scheinbar immer mehr auseinanderdriftet. Der NATO-Partner Türkei reagiert in Person seines Präsidenten nur noch persön­lich beleidigt. Die Terrorgefahr steigt – auch in Europa und bei uns.

Haben da der Sänger „Gentleman“ und die Umfrage nicht Recht? Wird die Weltlage nicht immer verwor­rener. Und verunsichert uns das nicht alle mehr oder weniger?


 


„Gentleman“ Tilmann Otto hat aber noch einen Nachsatz zu seiner düsteren Analyse, nämlich: „Im Moment ist die eine Seite lauter, deswegen ist es wichtig, die Stimme zu erheben. Probleme anzusprechen ist besser als sie totzuschweigen.“

 

Die Stimme zu erheben, statt sich in das Schneckenhaus seiner Ängste und düsteren Gedanken zurück zu ziehen! Das ist eine Antwort, der sich die Bibel sofort anschließen kann. Denn die Botschaft der Bibel ist eine Botschaft von Frieden, Freiheit und Geschwisterlichkeit.

 

Doch eines suchen wir dabei in der Bibel vergebens: die rosarote Brille. Nein, die Bibel verschließt nicht die Augen vor der Realität und pflegt keine weltvergessene Utopie. Sie sieht und beschreibt die Welt in er­staunlich klaren Farben, auch mit allen Schattenseiten und Bedrohun­gen.

 

Doch dabei bleibt es nicht,
denn die Bibel erhebt die Stimme – sie spricht darüber, etwa da,
wo Jesus sagt:

 

 

 

In der Welt habt ihr Angst…

 

 

 

Aber auch bei Jesus geht es –
Gott sei Dank – weiter:

 

 

 

…aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.
Johannes 16,33

 

 

 

Diesen Geist der Freiheit gilt es zu entdecken! Wir können sehen, dass Jesus alldem etwas entgegen zu setzen hat. Er hat „die Welt über­wunden“, hat die Angst und den Tod besiegt. Und eben an diesem Punkt schließt der Oktober-Monatsspruch an: Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.

 

Die Decke vor unseren Augen, so beschreibt es Paulus hier, die Decke, die alles verschleiert und trübe und hoffnungslos erscheinen lässt, ist seit Jesus gelüftet. Wir sehen in ihm den Abglanz der neuen Welt Gottes und wo sein Geist uns erfüllt, da werden wir in sein Bild verwandelt, da ist sich Paulus ganz sicher.

 

„Hoffnung“: Das ist das Wort, das diesen neuen Blick öffnet. Und diese Hoffnung hat auch einen Namen und ein Gesicht bekommen, näm­lich: Jesus. Dieser Jesus, der der Angst der Welt etwas entgegen­zusetzen hat, will die Schleier, die unseren Blick trüben, lüften und uns seinen neuen Blick schenken, denn wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit!

Eine gesegnete und hoffnungsvolle Herbstzeit wünscht Ihnen

 

 

 

Der Liebe Kraft und Glanz und Wahrheit

 


Jesus Christus spricht:
Wie mich meine Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe.                                                                 
Johannes 16,9

 

Bleibt in der Liebe. So könnte ein Vater oder eine Mutter sagen, wenn sie etwas weiter geben wollen, was wichtig ist, was sie sich wünschen: Kinder – bleibt in der Liebe, bleibt einig, haltet zusammen!

Das wünsche ich mir auf jeden Fall für meine Kinder. Sie haben so viel miteinander erlebt, konnten und mussten lernen miteinander zu teilen. Sie haben sich gestritten und wieder versöhnt, haben gelernt, wie man am besten aufeinander zu geht, die Unterschiede aushält, manchmal sogar als Reichtum erkennt. Als sie noch klein waren, haben sie auch oft gestritten. Aber wenn einer angegriffen wurde, konnte er sich auf den anderen verlassen: „Wenn du noch einmal meinen Bruder ärgerst, dann kannst du was erleben“, hörte ich meine Tochter rufen, als ich auf den Spielplatz kam. „Freust du dich, wenn ich wieder nach Hause komme?“, habe ich auf einer Karte voller Sehnsucht meinen Bruder gefragt, mit dem ich sonst nicht immer ein Herz und eine Seele war. So sollte es sein.

Wäre da nicht der nagende Gedanke, die Frage, ausgesprochen und unausgesprochen: Wen habt ihr lieber, ihn oder mich, sie oder mich? Hat der andere nicht mehr Aufmerksamkeit, mehr Liebe, bekommt er mehr geschenkt? Und wenn sich Geschwister zerstreiten um das Erbe, vermuten manche Psychologen dahinter genau solche Fragen und Befürchtungen. So habe ich gelesen von zwei Brüdern, die ein Millionenerbe antreten und sich zerstreiten, Prozesse führen – wegen tausend Euro. Wer immer auch nur um ein weniges im Vorteil liegt scheint von den Eltern mehr geliebt worden zu sein.

„Bleibt in meiner Liebe und in der Liebe des Vaters!“ sagt Jesus Christus. Und scheint es nicht auch bei Gott Lieblingskinder zu geben? Denen gelingt scheinbar alles. Die sind schön und intelligent, denen fallen alle Herzen zu. Die haben in sich ansteckende Fröhlichkeit. Die sind gesund. Deren Kinder sind wohl geraten.

Und ich? Womit habe ich das verdient, Gott? Warum gibst du mir nicht, was du den anderen reichlich schenkst? Was würde ich meinen Kindern antworten? Ich würde ihnen wohl sagen, dass ich jedes auf seine Weise liebe. Aber jedes Kind, jeder Mensch ist anders. Und darauf lasse ich mich ein und versuche, in der gleichen Liebe doch jedem auf seine Art gerecht zu werden.

 

Jesus Christus spricht:
Wie mich meine Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe.
                                                                             Johannes 16,9

 

Da wird auf Gottes Liebe verwiesen, die allem vorausgeht, die Grundlage sein kann für das Leben. Manchmal wundere ich mich schon: Gott war doch in sich vollkommen, war das Gute, Schöne, Ganze. Hatte alles in sich. Wozu brauchte er die Welt, wozu den Menschen, wozu diese ganze Unvollkommenheit? Denn der Mensch kann ja sagen – oder auch nein. Kann das Gute tun – oder über andere herfallen. Kann bebauen und bewahren und quälen und vernichten. Wozu also Welt und Mensch? Es gibt nur einen Grund: Die Liebe. Gott wollte ein Gegenüber, wollte einen Menschen, den er lieben konnte, der ihn lieben sollte. Dazu musste der Mensch frei sein, denn erzwungene Liebe ist keine Liebe. Und Gott schuf und schafft dem Menschen ein Paradies, umgibt seine geliebten Menschen mit allem, was sie nötig hatten, schenkte ihnen die Schönheit der Erde. Und immer wusste er um das Risiko, ging es bewusst ein: Dass er keine Gegenliebe finden würde, dass sein Gegenüber seine Freiheit missbrauchte. Gott ging aufs Ganze.

Wieder und wieder wurde er enttäuscht, war da nicht Liebe sondern eher Misstrauen: Sollte Gott es wirklich gut mit uns meinen? Enthält er uns nicht manches im Leben vor? Sind andere nicht besser dran als ich? Was ist dann Gottes Liebe wert? Und trotz aller Enttäuschungen ließ sich immer wieder auf Menschen ein und auf die Liebe. Einer war dann, der erwiderte die Liebe, sie strahlte aus ihm hervor und bestimmte ihn ganz.

 


Seht, welch ein Mensch!
                                                                                      
Johannes 19,5

 

Ein Mensch, der liebt wie Gott. Mit vollem Einsatz. Er springt in die Bresche, er setzt sein Leben aufs Spiel. Er gibt die Liebe nicht auf, nicht einmal als er, verraten wird, verspottet, verurteilt, als er stirbt. So gibt er der Liebe Kraft und Glanz und Wahrheit und erhält uns die Hoffnung, dass die Liebe Gottes sich durchsetzen wird - gegen allen Augenschein.

Wer geliebt wird, kann lieben. Sie und ich – wir sind geliebt. Die Kraft, die Gott und Jesus Christus verbindet, trägt unser Leben und unsere Liebe. Lassen Sie uns hören von dieser Liebe, wenn wir den Weg mitgehen, den Jesus ging in Leiden und Sterben. Und zu Ostern die Kraft der Liebe feiern, die sogar den Tod überwindet.


Predikt März
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